Wir waren dabei, als der neue Quadtrac von Case IH für einen Werbespot durch Enns gedüst ist. Ihr habt richtig gehört, mitten durch die Stadt. Wenn der Hauptplatz und die Linzer Gasse dafür nicht eigens gesperrt worden wären, wär das bestimmt nicht gut ausgegangen. Für die anderen zumindest.

Die Stammgäste der Würstelbude am Ennser Hauptplatz hatten sich ganz schön was zu erzählen. Als die ersten Scheinwerfer aufgebaut wurden, begannen die Vermutungen – man hoffte auf Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser oder andere bekannte Gesichter aus Tatort & Co, aber alles was kam war der Steiger Quadtrac von Case IH. Als dieses Monstrum von einem Traktor, immerhin der stärkste der Welt, mit quietschenden Raupen um die Kurve zog, machte sich dennoch keine Enttäuschung, sondern vielmehr Neugier breit. TV-Kommissare kennt man ja eh schon, aber ein fast acht Meter langer Schlepper mit Raupenantrieb, das ist mal was Neues.
Nur einer kaute weiter unbeeindruckt an seiner Bosna und grummelte: „Einen Traktor in der Stadt filmen? Wozu soll das gut sein? Der gehört doch raus aufs Feld…“

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Schwer in Ordnung.
Im Prinzip hat er damit auch recht. Der Koloss mit einer Leistung von bis zu 692 PS und einem stufenlosen 16 x 2 Volllastschaltgetriebe ist zu einem einzigen Zweck konstruiert worden: Feldarbeit auf ein neues Level zu heben. Dank GPS-gesteuertem Spurführungssystem zieht dieser 27 Tonnen schwere Gigant seine Lines mit einer maximalen Überlappung von 2,5 Zentimeter. Bei einer Arbeitsbreite von bis zu 12 Metern ist das kein Pappenstiel. Der Quadrac selbst ist übrigens nur 2,99 Meter breit – er darf also auf allen öffentlichen Straßen fahren – auch in Österreich.

Das hat SR1, die Werbeagentur, die für den Spot verantwortlich ist, auch ausgenutzt. Zum Dreh kam der Quadtrac über die Bundesstraße vom nahen STEYR Werk in St. Valentin nach Enns, mit einer Höchstgeschwindigkeit von fast 40 km/h, anschließend preschte er für die Dreharbeiten über den Hauptplatz und durch die Linzer Gasse. Und abgesehen von zwei oder drei kurzen Momenten befanden sich die Autos der Anrainer auch gar nie in Gefahr.

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Und wer braucht sowas?
Wenn es stimmt, was man über Männer mit großen Autos sagt, dann kann man sich denken, für welche Klientel der Quadtrac entwickelt wurde. Für eine Schwanzprothese (das Thema schwingt bei dem Spot interessanterweise mit) ist er mit 500.000 bis 600.000 Euro aber ziemlich teuer. Aber Spaß beiseite, wenn man als Farmer schier endlose Flächen zu bestellen hat, dann ist dieser Case mit seiner immensen Zugkraft jeden Cent wert. Nur: diese Felder gibt’s in der Regel eher in Nordamerika, Frankreich oder Russland. Warum wurde der Spot dann in Enns gedreht? Damit wir auch was davon haben. Und wahrscheinlich, weil’s bei uns einfach schöner ist.